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Warnschutzklassen Übersicht: Klasse 1, 2 und 3 nach EN ISO 20471

Kurz gesagt: Die EN ISO 20471 teilt Warnkleidung nach der Mindestfläche an fluoreszierendem und retroreflektierendem Material in drei Klassen ein, Klasse 3 bietet die beste Sichtbarkeit. Klasse 3 verlangt mindestens 0,80 m² Hintergrund- und 0,20 m² Reflexmaterial und zusätzlich lange Ärmel oder lange Hosenbeine mit Reflexstreifen. Für Arbeiten im Straßenverkehr nennt die DGUV Information 212-016 mindestens Klasse 2, bei erhöhter Gefährdung (z. B. Dunkelheit oder eine durchschnittliche Verkehrsgeschwindigkeit von mehr als 60 km/h) Klasse 3; Klasse 1 reicht dort nicht aus. Welche Klasse dein Team braucht, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.

Klasse 2 oder Klasse 3, und wofür gibt es Klasse 1? Diese Warnschutzklassen-Übersicht erklärt, was hinter den drei Klassen der DIN EN ISO 20471 steckt, woran du sie erkennst und welche Klasse laut DGUV in welcher Arbeitssituation passt. Grundlage ist die aktuelle DGUV Information 212-016 „Warnkleidung“ in der Ausgabe November 2025.

Vorweg: Warnkleidung nach DIN EN ISO 20471 ist laut DGUV persönliche Schutzausrüstung (PSA), die nach einer Gefährdungsbeurteilung auszuwählen ist. Nicht geprüfte Arbeitskleidung ist keine PSA, auch wenn sie leuchtet. Und Warnkleidung macht sichtbar, sie schützt nicht vor den Folgen einer Kollision.

Warnschutzklassen im Überblick: die Tabelle

Die Norm legt fest, wie viel sichtbares Material ein Kleidungsstück mindestens haben muss. Das fluoreszierende Hintergrundmaterial sorgt für Auffälligkeit am Tag, das retroreflektierende Material (die Reflexstreifen) für Auffälligkeit bei Nacht im Scheinwerferlicht.

Klasse 1Klasse 2Klasse 3
Fluoreszierendes Hintergrundmaterial (min.)0,14 m²0,50 m²0,80 m²
Retroreflektierendes Material (min.)0,10 m²0,13 m²0,20 m²
Material mit kombinierten Eigenschaften (min.)0,20 m²––
Zusatzanforderung––Torso umschlossen und lange Ärmel oder lange Hosenbeine mit Reflexstreifen
Beispiele aus den DGUV-DesignbeispielenRundbundhose; Latzhose mit nur zwei schmalen BeinstreifenWarnweste; Warn-T-Shirt; Latzhose mit drei 50-mm- oder zwei 70-mm-StreifenJacke mit langen Ärmeln; geprüfte Kombination laut Etikett
Straßenverkehr laut DGUVals alleinige Warnkleidung nicht ausreichendmindestens, bei einfacher Gefährdungbei erhöhter Gefährdung und in der Dunkelheit

Quelle: DGUV Information 212-016 (11/2025), Tabelle 1 (entspricht Tab. 1 der DIN EN ISO 20471), Kap. 4.3, Kap. 5.1, Abb. 12 und Betriebsanweisung Straßenverkehr. Die Beispiele sind Designbeispiele; welche Klasse ein konkretes Teil hat, steht auf dessen Etikett.

Zwei oft übersehene Details:

  • Gemessen wird an der kleinsten Größe. Laut DGUV werden die Flächen an der kleinsten Kleidergröße gemessen, in der das Kleidungsstück angeboten wird.
  • Die Klasse kann je Größe verschieden sein. Die DGUV zeigt das Etikett eines T-Shirts, das in S und M Klasse 2 und ab L Klasse 3 erreicht. Bei kleinen Größen (S, XS) erreichen ein T-Shirt oder eine Jacke allein laut DGUV in der Regel nicht Klasse 3.

Was die drei Warnschutzklassen bedeuten

Klasse 1: die kleinste Fläche

Klasse 1 hat die geringsten Mindestflächen. Typisch sind Hosen: Laut DGUV erreichen Latzhosen mit nur zwei Beinstreifen von 50 mm Breite nach der Norm nur Klasse 1 und sind im öffentlichen Straßenverkehr als alleinige Warnkleidung nicht ausreichend. In der Muster-Betriebsanweisung für den Straßenverkehr steht es ausdrücklich: Klasse 1 ist nicht ausreichend.

Klasse 2: der Standard für einfache Gefährdung

Klasse 2 ist die Klasse vieler Warnschutz-Westen und Warn-T-Shirts. Auch Latzhosen können Klasse 2 erreichen, laut DGUV zum Beispiel mit drei Streifen von 50 mm oder zwei Streifen von 70 mm Breite. Grundsätzlich gilt: Reflexstreifen müssen mindestens 50 mm breit sein, zwei horizontale Streifen mindestens 50 mm Abstand haben.

Klasse 3: die beste Sichtbarkeit

Klasse 3 braucht nicht nur die größten Flächen. Laut DGUV muss Klasse-3-Kleidung den Torso umschließen und zusätzlich lange Ärmel oder lange Hosenbeine mit Reflexstreifen haben, oder beides. Eine Warnweste allein erreicht deshalb nicht Klasse 3, ihr fehlen Ärmel und Hosenbeine. Beispiel der DGUV: Wer bei einer laut Zertifikat Klasse-3-Jacke die abtrennbaren Ärmel abnimmt, trägt nur noch Klasse 2.

Unterschied Warnschutzklasse 2 und 3

Der Unterschied in drei Punkten:

  1. Fläche: Klasse 3 verlangt 0,80 statt 0,50 m² Hintergrundmaterial und 0,20 statt 0,13 m² Reflexmaterial. Nach eigener Rechnung aus Tabelle 1 sind das rund 60 % mehr Hintergrund- und rund 54 % mehr Reflexfläche.
  2. Schnitt: Klasse 3 braucht zusätzlich Ärmel oder lange Hosenbeine mit Reflexstreifen. Klasse 2 nicht, deshalb kann eine Weste Klasse 2 sein.
  3. Einsatz: Im Straßenverkehr ist Klasse 2 laut DGUV die Mindestklasse bei einfacher Gefährdung, Klasse 3 die Klasse bei erhöhter Gefährdung. Laut DGUV gilt: Je größer die Gefahr, desto großflächiger die Warnkleidung.

Welche Warnschutzklasse wann? Die Auswahl nach DGUV

Laut § 35 Abs. 6 StVO müssen Personen, die beim Bau, der Unterhaltung oder Reinigung von Straßen oder bei der Müllabfuhr eingesetzt sind oder Straßen beaufsichtigen, bei ihrer Arbeit außerhalb von Gehwegen und Absperrungen „auffällige Warnkleidung tragen“. Eine Klasse nennt das Gesetz nicht. Die Auswahl erfolgt laut DGUV „nur im Einzelfall“ auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung, wobei im Straßenverkehr insgesamt Klasse 2 oder 3 erreicht werden muss.

Wichtig: Feste km/h-Grenzen pro Klasse, wie „Klasse 1 bis 30 km/h“ oder „Klasse 2 bis 50 km/h“, nennen weder die DGUV-Information noch die StVO. Die DGUV unterscheidet stattdessen zwischen einfacher und erhöhter Gefährdung:

Einfache Gefährdung: mindestens Klasse 2Erhöhte Gefährdung: Klasse 3 (ein Kriterium genügt, Beispiele)
ausreichende Sicht, weniger als 600 Fahrzeuge pro Stunde und durchschnittliche Verkehrsgeschwindigkeit unter 60 km/hschlechte Sichtverhältnisse; Arbeiten in der Dunkelheit
oder: Tageslicht und Arbeit in einer vollständig nach ASR A5.2 und RSA gesicherten stationären Arbeitsstelle längerer Dauerdurchschnittliche Verkehrsgeschwindigkeit über 60 km/h; mehr als 600 Fahrzeuge pro Stunde; Überqueren mehrspuriger Fahrbahnen
Notsituationen, z. B. Fahrzeugpanne: mindestens Klasse 2Kleidung wird tätigkeitsbedingt häufig verdeckt; häufiger Wechsel zwischen gesichertem und ungesichertem Bereich; Arbeitsstellen kürzerer Dauer; Arbeiten ohne bzw. beim Aufbau der Baustellensicherung

Quelle: DGUV Information 212-016 (11/2025), Kap. 5.1. Die 60 km/h und 600 Fahrzeuge pro Stunde sind dort Beispielkriterien, keine Klassengrenzen.

Dunkelheit

Für Arbeiten in der Dunkelheit ist laut DGUV Klasse 3 zu verwenden. Die zusätzliche Reflexfläche soll dabei die Kontur der menschlichen Gestalt betonen.

Tätigkeiten, bei denen Kleidung verdeckt wird

Verdecken Arbeitsgeräte oder Körperhaltung regelmäßig Teile der Warnkleidung, ist laut DGUV in der Regel Klasse 3 erforderlich. Wer ein Teil einer Kombination ablegt oder verdeckt, senkt die Klasse.

Gleisbereich

An Bahnen richtet sich die Auswahl laut DGUV nicht nach Verkehrsdichte und Geschwindigkeit. Für Arbeiten im und am Gleisbereich empfiehlt die DGUV grundsätzlich Klasse 3 und wegen der besseren Erkennbarkeit die Farbe fluoreszierendes Orange-Rot.

Be- und Entladen, Werksverkehr

Wer auf der Straße mit Be- und Entladearbeiten beschäftigt ist, zählt laut DGUV zu den „passiven Verkehrsteilnehmenden“, die ihre Aufmerksamkeit nicht auf den Verkehr richten. Die BG Verkehr nennt für die Abfallsammlung mindestens Klasse 2 und während der Sammeltour in der Regel Klasse 3; erhöhte Gefährdung sieht sie auch auf innerbetrieblichen Verkehrsflächen mit Fahrzeug- oder Maschinenverkehr.

Klassen kombinieren: die Grundregel

Neu gegenüber der alten EN 471 ist laut DGUV-Sachgebiet Schutzkleidung: Eine Klasse kann auch durch eine geprüfte Kombination, etwa Jacke und Hose, erreicht werden. Die Klassen werden dabei aber nicht addiert: Klasse 1 plus Klasse 2 ergibt nicht automatisch Klasse 3, weil laut DGUV die sichtbaren Flächen der gesamten Kombination zählen. Welche Kombination welche Klasse ergibt, steht auf dem Etikett bzw. in der Herstellerinformation. Gemeinsam zertifizierte Teile dürfen nur gemeinsam und nach Herstellervorgaben getragen werden.

Die DGUV-Kombinationsbeispiele (Tabelle 3): Bei erhöhter Gefährdung im Sommer mindestens eine Warnweste oder ein Warn-T-Shirt zusammen mit einer Warnhose, im Winter mindestens eine Klasse-3-Jacke, empfehlenswert zusammen mit einer Warnhose. Die BG Verkehr empfiehlt für die Abfallsammlung, um im Sommer Klasse 3 zu erreichen, eine Latz- oder Bundhose der Klasse 1 oder 2 mit einem Warnshirt mindestens der Klasse 2 (geprüfte Kombination vorausgesetzt).

EN ISO 20471, EN 471 und der Entwurf 2026: Welche Norm gilt?

  • Gültig: DIN EN ISO 20471:2017-03 (EN ISO 20471:2013 + A1:2016). Diese Ausgabe führt auch die DGUV-Information.
  • Alte Norm EN 471: Sie wurde laut DGUV bereits im September 2013 durch die DIN EN ISO 20471 ersetzt. Vorhandene Warnkleidung nach EN 471 darf bis zur Ablegereife weiterverwendet werden, bei Neubeschaffung sollte auf EN ISO 20471 umgestellt werden.
  • Entwurf 2026: Seit März 2026 liegt der Norm-Entwurf E DIN EN ISO 20471:2026-05 vor. Laut DIN Media korrigiert er unter anderem die Ärmelanforderung für Klasse 3. Ein Entwurf ist keine gültige Norm; maßgeblich bleibt bis auf Weiteres die Ausgabe 2017-03.

Drei Verwechslungen, vor denen die DGUV ausdrücklich warnt:

  • Wetterschutzklassen sind keine Warnschutzklassen. Die Klassen für Wetterschutzkleidung dürfen bei der Beschaffung nicht mit den Klassen der Warnkleidung verwechselt werden.
  • Reflexstreifen auf Schwarz oder Blau machen ein Kleidungsstück nicht zu Warnkleidung im Sinne der EN ISO 20471, weil die fluoreszierende Hintergrundfarbe fehlt.
  • Leuchtende Accessoires nach EN 17353 dürfen laut DGUV nur zusätzlich zu Warnkleidung nach EN ISO 20471 eingesetzt werden.

Worauf Betriebe beim Einkauf achten

Checkliste für die Beschaffung im Team:

  1. Klasse aus der Gefährdungsbeurteilung ableiten. Im Straßenverkehr mindestens Klasse 2, bei erhöhter Gefährdung Klasse 3.
  2. Etikett prüfen: Piktogramm, Norm, Klasse. Jede Warnkleidung muss laut DGUV ein Piktogramm und eine beigelegte Herstellerinformation haben.
  3. Klasse je Größe checken, besonders bei S und XS.
  4. Kombinationen nur laut Herstellerangabe planen.
  5. Farbe nach Umgebung wählen: Im Straßenverkehr sind laut Verwaltungsvorschrift zu § 35 Abs. 6 StVO (so die DGUV) nur fluoreszierendes Gelb und Orange-Rot zulässig. Vor Wald oder Rapsfeld ist Orange-Rot besser erkennbar als Gelb.
  6. Logo nur mit Herstellerfreigabe: Ein Aufdruck verkleinert die sichtbare Fläche. Was erlaubt ist, steht im Ratgeber Warnweste mit Logo: was die Norm erlaubt.
  7. Pflege und Austausch einplanen: Die zulässigen Waschzyklen stehen in der Herstellerinformation; Kleidung mit nachlassender Warnwirkung muss ausgetauscht werden.

Teams im Baugewerbe arbeiten oft direkt am fließenden Verkehr, in der Logistik eher an Rampe, Hof und Werksverkehr. Alle Westen findest du im Shop.

Verbindlich ist die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb bzw. die Auskunft deiner zuständigen Berufsgenossenschaft. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.

FAQ: Warnschutzklassen

Was ist der Unterschied zwischen Warnschutzklasse 2 und 3?

Klasse 3 verlangt größere Mindestflächen und zusätzlich Ärmel oder lange Hosenbeine mit Reflexstreifen. Im Straßenverkehr ist Klasse 2 laut DGUV das Minimum bei einfacher, Klasse 3 die Wahl bei erhöhter Gefährdung.

Welche Warnschutzklasse hat eine Warnweste?

In der Regel Klasse 2, manche Westen erreichen nur Klasse 1. Klasse 3 ist mit einer Weste allein nicht möglich, weil Ärmel oder Hosenbeine mit Reflexstreifen fehlen. Die genaue Klasse steht auf dem Etikett.

Welche Warnschutzklasse brauche ich im Straßenverkehr?

Laut DGUV Information 212-016 mindestens Klasse 2, bei erhöhter Gefährdung Klasse 3, etwa bei Dunkelheit, schlechter Sicht oder durchschnittlich mehr als 60 km/h. Klasse 1 allein reicht nicht. Die konkrete Entscheidung trifft die Gefährdungsbeurteilung.

Ergeben Klasse 1 und Klasse 2 zusammen Klasse 3?

Nicht automatisch. Klassen werden nicht addiert, es zählen die sichtbaren Flächen der gesamten Kombination. Ob eine Kombination Klasse 3 erreicht, steht in der Herstellerinformation.

Darf ich Warnkleidung nach EN 471 noch verwenden?

Ja, laut DGUV bis zur Ablegereife. Die EN 471 wurde 2013 durch die EN ISO 20471 ersetzt; bei Neubeschaffung sollte nach EN ISO 20471 gekauft werden.

Welche Klasse muss die Warnweste im Auto haben?

§ 53a Abs. 1 StVZO schreibt keine Klasse vor. Die Weste muss der DIN EN 471:2003+A1:2007 (Ausgabe März 2008) oder der EN ISO 20471:2013 entsprechen. Mitführen muss man sie laut Abs. 2 u. a. in Pkw, Lkw und Bussen.

Du willst dein Team passend zur Gefährdung mit Warnkleidung ausstatten? Sprich mit den Buddys.

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Quellen