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S1, S2, S3 Unterschied: Sicherheitsschuh-Klassen von SB bis S7 erklärt

Kurz gesagt: Alle Sicherheitsschuhe nach DIN EN ISO 20345 haben eine Zehenschutzkappe, die mit 200 Joule bzw. 15 kN geprüft ist. Die Klassen bauen aufeinander auf: SB erfüllt nur die Grundanforderungen, S1 ergänzt geschlossene Ferse, Antistatik und Energieaufnahme im Fersenbereich, S2 zusätzlich ein auf Wasserdurchtritt geprüftes Obermaterial, S3 zusätzlich Durchstichschutz und Profilsohle. S4 und S5 sind die entsprechenden Gummi- oder Polymerstiefel, S6 und S7 sind S2 bzw. S3 mit zusätzlich geprüfter Wasserdichtheit des ganzen Schuhs.

Wer ein Team mit Sicherheitsschuhen ausstattet, stolpert schnell über die Kürzel auf dem Karton. Am häufigsten gefragt ist der Unterschied zwischen S1, S2 und S3, aber auch S4, S5 und die 2022 neuen Klassen S6 und S7 sorgen für Rätselraten. Hier bekommst du alle Sicherheitsschuh-Klassen nach EN ISO 20345 in einer Übersichtstabelle, die Logik dahinter und den aktuellen Normstand. Grundlage ist die DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“ in der Ausgabe Dezember 2025.

Ein Wort zu den Begriffen: Umgangssprachlich heißt es „Schutzklasse“. In der Norm und bei der DGUV heißen SB bis S7 aber Kategorien. Mit „Klassifizierung I und II“ ist dort etwas anderes gemeint, nämlich die Bauart des Schuhs. Dazu gleich mehr.

Sicherheitsschuhe-Klassen im Überblick: die Tabelle von SB bis S7

Laut DGUV Regel 112-191 (Abschnitt 4.7) wird Fußschutz nach Bauart unterschieden, unter anderem:

  • Klassifizierung I: Schuhe aus Leder oder anderen Materialien, hergestellt nach herkömmlichen Schuhfertigungsmethoden, also der klassische Sicherheitsschuh oder -stiefel.
  • Klassifizierung II: vollständig geformte oder vulkanisierte Schuhe, also Gummistiefel oder Polymerstiefel, zum Beispiel aus Polyurethan (PUR), für den Nassbereich.

Die folgende Tabelle fasst die Kategorientabelle für die Normreihe 2022 aus Anhang 3 der DGUV Regel 112-191 zusammen:

KategorieBauartBaut aufZusätzlich geprüft
SBI oder II–Grundanforderungen, u. a. Zehenkappe (200 J / 15 kN) und rutschhemmende Laufsohle
S1ISBgeschlossener Fersenbereich, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahme im Fersenbereich
S2IS1Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Obermaterials
S3 / S3L / S3SIS2Widerstand gegen Durchstich, profilierte Laufsohle
S4IISBgeschlossener Fersenbereich¹, Antistatik, Energieaufnahme im Fersenbereich, Dichtheit²
S5 / S5L / S5SIIS4Widerstand gegen Durchstich, profilierte Laufsohle
S6IS2Wasserdichtheit des ganzen Schuhs im zusammengebauten Zustand
S7 / S7L / S7SIS3Wasserdichtheit des ganzen Schuhs im zusammengebauten Zustand

¹ Gilt laut DGUV nicht für Schuhform A der Klasse II mit offenem Fersenbereich und/oder Perforationen. ² Dichtheit ist für Schuhe der Klassifizierung II eine Grundanforderung, außer bei Schuhform A. Die Tabelle gilt nicht für Hybridschuhe (Kennzeichnung SBH). Quelle: DGUV Regel 112-191, Anhang 3.

Wichtig für das Lesen der Kennzeichnung: Eine Kategorie ist ein Bündel. Laut DGUV entfallen bei Verwendung der Kurzzeichen die Symbole, die für diese Kategorie ohnehin verpflichtend sind. Ein S1-Schuh trägt also nicht zusätzlich „A“ für Antistatik oder „E“ für Energieaufnahme. Weitere Schutzfunktionen, etwa eine hitzebeständige Sohle oder Kälteisolierung, kommen als optionale Zusatzsymbole hinzu. Sie gehören nicht zur Kategorie selbst.

S1, S2, S3: der Unterschied Schritt für Schritt

Der Unterschied zwischen S1, S2 und S3 lässt sich als Treppe lesen: Jede Stufe enthält alles aus der Stufe davor und legt eine Anforderung drauf. Bei der Zehenkappe gibt es dagegen keinen Unterschied, die ist bei allen gleich.

SB: die Grundanforderungen

Auch ein SB-Sicherheitsschuh hat eine Zehenschutzkappe für hohe Belastungen. Die DGUV nennt Zehenschutzkappen ausdrücklich eine Grundanforderung (Abschnitt 4.10). Ebenfalls Grundanforderung ist eine rutschhemmende Laufsohle, deshalb braucht sie keine eigene Kennzeichnung (Abschnitt 4.22.1). Was SB fehlt: Antistatik und Energieaufnahme im Fersenbereich sind nicht geprüft. Dass SB-Schuhe keine Kappe hätten, ist ein Irrtum.

S1: geschlossene Ferse, Antistatik, Dämpfung

S1 ergänzt drei Punkte: einen geschlossenen Fersenbereich (offene Clogs fallen damit raus), antistatische Eigenschaften und ein geprüftes Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich. Laut DGUV ist das Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich für S1 bis S7 verpflichtend und muss mindestens 20 Joule betragen. Der elektrische Widerstand antistatischer Schuhe liegt laut DGUV zwischen über 10⁵ Ω und höchstens 10⁹ Ω. Sicherheitsschuhe S1 und S1P sind typisch für trockene Bereiche.

S2: Obermaterial gegen Wasser geprüft

S2 ist S1 plus ein Obermaterial, das auf Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme geprüft ist. Diese Prüfung läuft laut DGUV über 60 Minuten (Abschnitt 4.9.1). Geprüft wird nur das Obermaterial, nicht der komplette Schuh mit Nähten und Sohlenanschluss. Eine Profilsohle verlangt S2 nicht: Zu den Grundanforderungen an die Laufsohle gehört laut DGUV keine bestimmte Profilgestaltung, eine profilierte Laufsohle sieht die Kategorientabelle erst ab S3 vor.

S3: Durchstichschutz und Profilsohle

S3 ist S2 plus Widerstand gegen Durchstich und profilierte Laufsohle. Als profiliert gilt eine Sohle der Klassifizierung I laut DGUV ab einer Profiltiefe von 2,5 mm. Das Profil soll Flüssigkeiten und Schmutz verdrängen. Ein reines S3 steht für eine metallische Durchtritteinlage, S3L und S3S für nichtmetallische Einlagen, die mit unterschiedlichen Prüfnägeln getestet werden. Sicherheitsschuhe S3 sind die übliche Wahl für Baustelle und Außenbereich.

Und S1P? Das ist in der DGUV-Tabelle keine eigene Kategorie, sondern ein S1-Schuh mit dem Zusatzsymbol P für Durchstichschutz. Wann S1P reicht und wann es S3 sein sollte, steht im direkten Vergleich S1P oder S3.

S4 und S5: Sicherheitsstiefel aus Gummi oder Polymer

S4 und S5 sind die Kategorien für Schuhe der Klassifizierung II, also vollständig geformte oder vulkanisierte Stiefel aus Gummi oder Polymer wie PUR. Typisch ist der Einsatz im Nassbereich.

  • S4 entspricht in der Schutzwirkung grob S1: Antistatik, Energieaufnahme im Fersenbereich, geschlossene Ferse. Dazu kommt die Dichtheit, die bei Klasse II zur Grundanforderung gehört (außer bei Schuhform A).
  • S5 ist S4 plus Widerstand gegen Durchstich und profilierte Laufsohle, analog zu S3. Auch hier gibt es die Varianten S5L und S5S für nichtmetallische Einlagen.

Wichtig: Für Klasse-II-Stiefel gilt eine Sohle laut DGUV erst ab 4 mm Profiltiefe als profiliert, nicht ab 2,5 mm wie bei Klasse I.

Neu seit 2022: S6 und S7 für Nässe

Mit der Normfassung 2022 kamen zwei Kategorien dazu. Laut DGUV-Fachaufsatz (sicher ist sicher 11/2022) müssen S6 und S7 „im zusammengebauten Zustand gegenüber S2 bzw. S3 zusätzlich eine hinreichende Wasserdichtheit aufweisen“. In S6 und S7 finden sich die Schuhe wieder, die früher als S2 oder S3 mit dem optionalen Zusatz WR verkauft wurden.

  • S6 = S2 + geprüfte Wasserdichtheit des ganzen Schuhs
  • S7 = S3 + geprüfte Wasserdichtheit des ganzen Schuhs (auch als S7L und S7S)

Ist S7 also besser als S3? Bei Nässe ja, denn S7 ist auf Wasserdichtheit des kompletten Schuhs geprüft, S3 nur am Obermaterial. Absolut dicht heißt das aber nicht. Die DGUV weist ausdrücklich darauf hin, dass „auch ein auf Wasserdichtheit geprüfter Fußschutz kleine Durchlässigkeiten aufweisen darf“. Geprüft wird zum Beispiel über 100 Wannenlängen mit je 11 Schritten bei rund 30 mm Wassertiefe (Abschnitt 4.9.2).

EN ISO 20345: was 2022 und 2024 geändert wurde und welche Fassung gilt

Die EN ISO 20345 wurde 2022 überarbeitet und 2024 durch die Änderung A1 ergänzt. Die wichtigsten Unterschiede zur Vorgängerfassung zeigt diese Übersicht:

ThemaFassung 2011/2012Fassung 2022
KategorienSB bis S5SB bis S7 (S6 und S7 neu)
Kraftstoffbeständige Laufsohleab S1 Pflichtoptional, Symbol FO
RutschhemmungKennzeichnung SRA, SRB, SRCGrundanforderung ohne eigene Kennzeichnung, optional SR
DurchstichschutzSymbol PP (metallisch), PL oder PS (nichtmetallisch), bei S3/S5/S7 als L bzw. S

Welcher Normstand gilt aktuell?

Aktuell ist laut DIN Media die DIN EN ISO 20345:2024-06, also EN ISO 20345:2022 einschließlich der Änderung A1:2024. Sie ersetzt die Ausgabe von Juni 2022. Als harmonisierte Norm für PSA ist EN ISO 20345:2022 mit A1:2024 im Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1279 gelistet (Anhang I Nr. 194). Die Fundstelle der alten Fassung EN ISO 20345:2011 wurde laut Durchführungsbeschluss (EU) 2023/941 (Anhang II) zum 11.11.2024 aus dem Amtsblatt gestrichen.

Trotzdem sind noch Schuhe nach der alten Fassung im Einsatz. Die DGUV hält deshalb beide Kurzzeichentabellen vor, „da sich aktuell Fußschutz beider Normreihen in der Bereitstellung und Benutzung befindet“. Welche Fassung ein Schuh erfüllt, steht im Schuh: Zur Pflichtkennzeichnung gehört laut DGUV der Verweis auf die Norm mit Ausgabedatum, etwa „DIN EN ISO 20345:2022“.

Abgrenzung: Hybridschuh, Schutzschuh und Berufsschuh

  • Hybridsicherheitsschuh (SBH): laut DGUV eine dritte Bauart, oben mit Eigenschaften der Klasse I, unten der Klasse II. Die Kategorientabelle gilt für ihn nicht.
  • Schutzschuh (P): Zehenkappe mit 100 J bzw. 10 kN geprüft, also geringere Belastung als beim Sicherheitsschuh.
  • Berufsschuh (O): muss laut DGUV nicht mit einer Zehenkappe ausgerüstet sein.

Worauf Betriebe beim Einkauf achten

Die Kategorie sagt, welche Schutzfunktionen geprüft sind, nicht, ob der Schuh zum Arbeitsplatz passt. Die Checkliste:

  1. Gefährdungsbeurteilung als Startpunkt: Quetschen, Durchstich, Nässe, Glätte, elektrostatische Aufladung? Die DGUV-Beispielliste Fußschutz gibt Orientierung, ersetzt laut DGUV aber „keinesfalls die erforderliche, tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung“.
  2. Kennzeichnung im Schuh prüfen: Norm mit Ausgabejahr, Kategorie, Zusatzsymbole. Gerade bei Nachbestellungen lohnt der Blick, ob Schuhe nach Fassung 2011 oder 2022 geliefert werden.
  3. Nässe einordnen: Feuchte Bereiche und Spritzwasser sprechen mindestens für S2 oder S3. Wer regelmäßig durch Wasser läuft, prüft S6 oder S7, bei stehendem Wasser und im Nassbereich auch Stiefel der Kategorie S4 oder S5.
  4. Durchstichgefahr klären: Auf Baustellen und überall, wo Nägel, Scherben oder Späne liegen, kommen S3, S5 oder S7 infrage. Eine Übersicht passender Ausstattung findest du unter Arbeitskleidung fürs Baugewerbe.
  5. Passform und Tragekomfort testen: Gewicht und Komfort sind keine Kategorieanforderungen. Sie hängen vom Modell ab, nicht von der Klasse auf dem Etikett.
  6. Einlagen nur mit Freigabe: Laut DGUV erlischt die EU-Baumusterprüfbescheinigung, wenn andere Einlegesohlen als die geprüften verwendet werden (Abschnitt 4.8). Orthopädische Einlagen nur, wenn sie für das Modell baumustergeprüft sind (Abschnitt 4.30).
  7. Austausch planen: Wann ein Schuh ausgetauscht werden muss, steht im Ratgeber Wann Sicherheitsschuhe ausgetauscht werden müssen.

Einen Überblick über alle Arbeits- und Sicherheitsschuhe findest du im Shop. Verbindlich ist die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb bzw. die zuständige Berufsgenossenschaft.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen S1, S2 und S3?

Die Kategorien bauen aufeinander auf. S1 hat geschlossene Ferse, Antistatik und Energieaufnahme im Fersenbereich, S2 zusätzlich ein auf Wasserdurchtritt geprüftes Obermaterial. S3 ergänzt Durchstichschutz und eine profilierte Laufsohle.

Ist S3 besser als S1?

S3 hat mehr geprüfte Schutzfunktionen, die Zehenkappe ist bei beiden gleich (200 J). Ob S1 reicht oder S3 nötig ist, hängt von der Gefährdung ab, etwa von Nässe oder Durchstichgefahr. Im trockenen Lager kann S1 passen, auf der Baustelle meist nicht.

Was bedeutet SB bei Sicherheitsschuhen?

SB steht für einen Sicherheitsschuh, der die Grundanforderungen erfüllt, einschließlich Zehenkappe und rutschhemmender Sohle. Antistatik und Energieaufnahme im Fersenbereich sind bei SB nicht geprüft.

Was bedeuten S4 und S5?

S4 und S5 sind die Kategorien für Gummi- oder Polymerstiefel (Klassifizierung II). S4 entspricht in den Schutzfunktionen etwa S1 plus Dichtheit, S5 ergänzt Durchstichschutz und Profilsohle.

Sind S3-Schuhe wasserdicht?

Bei S3 ist nur das Obermaterial auf Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme geprüft, nicht der ganze Schuh. Auf Wasserdichtheit im zusammengebauten Zustand geprüft sind S6 und S7. Ganz dicht ist aber auch das nicht: Laut DGUV darf auch auf Wasserdichtheit geprüfter Fußschutz kleine Durchlässigkeiten aufweisen.

Wie viel Gewicht hält die Zehenkappe aus?

Die Kappe wird mit 200 Joule und 15 kN geprüft. Laut DGUV entsprechen 200 J etwa einer 20 kg schweren Masse, die aus 1 m Höhe fällt, und 15 kN der Druckkraft einer Masse von 1.500 kg. Ein seitlicher Test ist nicht Gegenstand der Norm.

Unsicher, welche Kategorie zu euren Arbeitsplätzen passt? Sprich mit den Buddys.

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Quellen