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Sicherheitsschuhe: SRC-Bedeutung und alle Kürzel von SR bis ESD erklärt

Kurz gesagt: SRC stammt aus der Normfassung von 2012 und bedeutet: Die Sohle hat die Rutschprüfung auf Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfat-Lösung (SRA) und auf Stahlboden mit Glycerin (SRB) bestanden. Seit der EN ISO 20345:2022 ist die Prüfung auf Keramik mit Natriumlaurylsulfat-Lösung Grundanforderung, das neue Zusatzsymbol SR steht für eine zusätzlich bestandene Prüfung auf Keramik mit Glycerin. Kürzel wie HRO, CI, HI oder WR kennzeichnen optionale Schutzfunktionen. ESD gehört nicht zur Schuhnorm, sondern steht für Schuhe, die nach der Normenreihe DIN EN IEC 61340 elektrostatische Ladung zum Schutz von Elektronik ableiten.

Auf Sicherheitsschuhen steht selten nur „S3“, sondern eher „S3 HRO SRC“ oder „S3 SRC ESD“. Wer nach der SRC-Bedeutung bei Sicherheitsschuhen sucht, findet zudem widersprüchliche Erklärungen. Hier bekommst du die gängigen Kürzel mit Prüfgröße, Grundlage ist die DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“ (Ausgabe Dezember 2025).

SRC-Bedeutung: Was aus SRA, SRB und SRC geworden ist

Nach der Normfassung von 2012 gab es laut DGUV Regel 112-191 (Abschnitt 4.22.1) drei Symbole für die Rutschhemmung:

  • SRA: geprüft auf Keramikfliese mit Natriumlaurylsulfat-Lösung (NaLS), einer Art Seifenlauge.
  • SRB: geprüft auf Stahlboden mit Glycerin.
  • SRC: beide Prüfungen bestanden.

Oft liest man, SRC sei „auf Keramik und Stahl mit Glycerin“ geprüft. Das stimmt nicht: Keramik wurde mit NaLS geprüft, Stahl mit Glycerin.

Mit der Revision 2022 wurde laut DGUV-Fachbeitrag (sicher ist sicher 11/2022) die Wahl des Prüfbodens samt dieser Kennzeichnungen gestrichen. Heute gilt:

  • Die Prüfung auf Keramikfliese mit NaLS ist verbindlich und hat kein eigenes Symbol.
  • Wer zusätzlich die Prüfung auf Keramikfliese mit Glycerin besteht, trägt das Symbol SR.
  • Schuhe mit Spikes oder Metallstollen für weichen Untergrund tragen Ø (Rutschhemmung nicht geprüft).

SR ist nicht einfach „das neue SRC“: SR wird auf Keramik statt auf Stahl mit Glycerin geprüft, und laut DGUV (4.22.1) wurden auch die Prüfanforderungen geändert. Nach der Fassung 2012 wurde der Schuh flach vorwärts und Ferse vorwärts geprüft, heute Ferse vorwärts und Schuhspitze rückwärts. Alte und neue Kennzeichnung sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar. Schuhe nach der alten Fassung sind weiter im Umlauf und tragen weiterhin SRC. Wie sich das im Vergleich der häufigsten Klassen auswirkt, zeigt der Ratgeber S1P oder S3: Unterschiede inklusive SR und SRC.

Sicherheitsschuhe-Abkürzungen: alle Kürzel in einer Tabelle

Die Kategorien SB und S1 bis S7 fassen die meistbenutzten Kombinationen aus Grund- und Zusatzanforderungen zusammen (DGUV 112-191, 4.7). Was darüber hinaus geprüft ist, wird mit einem Zusatzsymbol gekennzeichnet. Die Tabelle fasst die Kürzel nach EN ISO 20345:2022 zusammen, mit Fundstelle in der DGUV Regel 112-191.

KürzelBedeutungWas geprüft wirdStatus seit 2022Fundstelle
SRRutschhemmung auf Keramik mit GlycerinZusatzprüfung; die Prüfung mit NaLS ist Grundanforderungneu4.22.1
ØRutschhemmung nicht geprüftPflichtsymbol bei Spikes oder Metallstollenneu4.22.1
HROVerhalten der Laufsohle bei Kontaktwärme300 °C, 60 Sekunden; Sohle darf nicht schmelzen, verbrennen, brechen oder reißenoptional4.21.6
HIWärmeisolierung des Sohlenkomplexes150 °C Kontakttemperatur, Temperaturanstieg im Schuh nach 10 Minutenoptional4.16.1
CIKälteisolierung des Sohlenkomplexesbei −17 °C höchstens 10 °C Temperaturabfall nach 30 Minutenoptional4.16.2
FOKraftstoffbeständigkeit der LaufsohleBeständigkeit gegen Kraftstoffoptional, nach Fassung 2012 in S1 bis S5 Pflicht4.21.5
WRWasserdichtheit des ganzen SchuhsGehtest in der Wasserwanne oder 80 Minuten Biegemaschine; kleine Undichtigkeiten zulässigoptional, in S6/S7 enthalten4.9.2
WPA (früher WRU)Wasserdurchtritt und -aufnahme des SchuhoberteilsPrüfzeit 60 Minutenumbenannt, in S2, S3, S6, S7 enthalten4.9.1
MMittelfußschutzFallkörper 20 kg, Aufschlagenergie (100 ± 2) Joptional4.11.1
ANKnöchelschutzMittelwert höchstens 10 kN, kein Einzelwert über 15 kNoptional4.11.2
CRSchnittfestigkeit des unteren Schaftssetzt Schuhform B und Durchstichschutz voraus; kein Kettensägenschutzoptional4.13
SCAnstoßkappenabriebAbrieb im Zehenbereich, z. B. bei kniender Arbeit; verlängert vor allem die Nutzungsdauerneu4.15
LGHalt auf Leiternangeschrägte Absatzfront, Gelenkbereich ab 35 mm, Profiltiefe im Gelenk ab 1,5 mmneu4.14
EEnergieaufnahme im Fersenbereichmindestens 20 Jin S1 bis S7 enthalten4.17
AantistatischDurchgangswiderstand über 105 bis 109 Ωin S1 bis S7 enthalten4.18
Cleitfähig (teilweise leitfähig)Durchgangswiderstand bis 105 ΩBegriff umbenannt4.18
P / PL / PSWiderstand gegen DurchstichP metallisch; PL und PS nichtmetallisch, Prüfnagel 4,5 mm bzw. 3 mmPL und PS neu4.12
SBHHybridsicherheitsschuhOberteil Klasse I, Unterteil Klasse II; Kategorientabelle gilt nicht–4.7

Zur Systematik: Steht ein Kategorie-Kürzel wie S1 auf dem Schuh, entfallen die Symbole der darin enthaltenen Funktionen. Ein S1-Schuh trägt deshalb kein separates „A“ und „E“ (DGUV 112-191, 4.7).

HRO, HI und CI: Schutz bei Hitze und Kälte

HRO betrifft nur die Laufsohle: Sie soll Kontaktwärme von 300 °C aushalten, ohne Schaden zu nehmen. Die DGUV nennt Gießereien, Asphalt- und Gussasphaltbau sowie Flämmarbeiten bei Dachabdichtungen. HI prüft dagegen, wie gut der Sohlenaufbau den Fuß gegen Hitze von unten isoliert, etwa beim Einbau von heißem Bitumen. CI ist das Gegenstück für Kälte, typisch in Kühlhäusern. Kurz: HRO schützt die Sohle, HI und CI schützen den Fuß.

ESD-Schuhe: Bedeutung und Unterschied zu antistatisch

ESD steht für „ElectroStatic Discharge“, elektrostatische Entladung. Laut DGUV Regel 112-191 (4.20) ist die ESD-Funktion „kein Element der Persönlichen Schutzausrüstungen“: Sie schützt elektronische Bauteile vor Störimpulsen oder Zerstörung, nicht die Person.

ESD-geeignet sind Schuhe, wenn der Durchgangswiderstand im System Person, Schuh und Fußboden höchstens 108 Ω (100 Megaohm) beträgt, geprüft nach der Normenreihe DIN EN IEC 61340 (unter anderem Teil 4-3 für Schuhwerk). Den Rahmen für ESD-Schutzprogramme in Betrieben setzt die DIN EN IEC 61340-5-1, aktuell in der Ausgabe 2025-06. Im Netz steht oft „35 Megaohm“: Das war laut DGUV die Obergrenze der Vorgängernorm, viele Hersteller empfehlen sie bis heute.

SchuhtypKennzeichnungDurchgangswiderstandZweck
teilweise leitfähigCbis 105 Ωschnelle Ableitung, z. B. bei Explosivstoffen
ESDESD-Symbol „ESD PROTECTIVE“bis 108 ΩSchutz elektronischer Bauteile
antistatischA (in S1 bis S7)über 105 bis 109 Ωweniger elektrostatische Aufladung
elektrisch isolierendDoppeldreieck, DIN EN 50321-1über 109 ΩArbeiten unter Spannung, nur mit weiterer isolierender PSA

Quelle der Tabelle: DGUV Regel 112-191, Abschnitte 2 und 4.18 bis 4.20.

Antistatik und ESD werden unterschiedlich geprüft. Laut DGUV erfüllt nicht jeder antistatische Schuh automatisch die ESD-Anforderungen; ob ein Schuh beides kann, zeigt die Kennzeichnung. Für explosionsgefährdete Bereiche gilt laut DGUV: Antistatische Schuhe, die auch auf ESD geprüft sind, erfüllen grundsätzlich die TRGS 727, antistatische mit Werten zwischen 108 und 109 Ω nicht. Voraussetzung für die Wirkung von ESD-Schuhen ist laut DGUV ein ausreichend leitfähiger Boden; für die tägliche Kontrolle haben sich Teststationen bewährt.

Was 2022 bei der Kennzeichnung geändert wurde

Mit der EN ISO 20345:2022 (in Deutschland heute DIN EN ISO 20345:2024-06 inklusive A1:2024) haben sich laut DGUV mehrere Kürzel geändert:

  • SRA, SRB, SRC entfallen; NaLS-Prüfung ist Grundanforderung, SR kommt als Zusatz.
  • FO ist nicht mehr in den Kategorien enthalten, sondern optional.
  • WRU heißt jetzt WPA (laut DGUV eine Umbenennung, geprüft werden weiterhin Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Schuhoberteils).
  • Neu sind SC, LG, Ø sowie PL und PS für nichtmetallische Durchstich-Einlagen.
  • Neu sind die Kategorien S6 und S7: S2 bzw. S3 plus Wasserdichtheit des ganzen Schuhs (WR).

Sicherheitsschuhe-Kennzeichnung lesen: ein Etikett Schritt für Schritt

Fußschutz muss laut DGUV 112-191 (4.7) deutlich und dauerhaft gekennzeichnet sein, etwa durch Einstanzen oder Prägen. Pflicht sind unter anderem CE-Zeichen, Größe, Hersteller, Typ, mindestens Herstellungsjahr und -monat, die Norm mit Ausgabedatum sowie Kategorie bzw. Symbole.

Frei gewähltes Beispiel, kein reales Produkt: „EN ISO 20345:2022 S3 HRO CI SR“

  1. EN ISO 20345:2022: geprüft nach der neuen Fassung.
  2. S3: Zehenschutzkappe, geschlossene Ferse, Antistatik, Energieaufnahme in der Ferse, Wasserdurchtritt und -aufnahme des Schuhoberteils (WPA), Durchstichschutz mit metallischer Einlage, profilierte Laufsohle.
  3. HRO: Laufsohle hat die Kontaktwärmeprüfung bei 300 °C (60 Sekunden) bestanden.
  4. CI: Sohlenaufbau isoliert gegen Kälte.
  5. SR: zusätzlich Rutschprüfung auf Keramik mit Glycerin bestanden.

Und „S3 SRC ESD“? Das ist ein S3-Schuh nach der Fassung von 2012 mit Rutschhemmung SRC, zusätzlich als ESD-Schuh nach IEC 61340 geprüft. Kraftstoffbeständigkeit war damals in S3 Pflicht (DGUV 112-191, 4.21.5) und musste deshalb nicht separat als FO angegeben werden.

Worauf Betriebe beim Einkauf achten

Erst die Gefährdungsbeurteilung, dann die Kategorie, dann die Zusatzsymbole. Fordere nur die Kürzel, die wirklich gebraucht werden. Die DGUV nennt Beispiele: FO für Auto- und Baumaschinenwerkstätten, Raffinerien und Tankreinigung (passend dazu Arbeitskleidung für Kfz-Werkstätten), HRO für Asphaltbau und Gießereien, CI für Kühlhäuser, M für Schlossereien oder Nutztierhaltung. ESD brauchst du dort, wo elektronische Bauteile vor Entladung geschützt werden müssen.

  • Kategorie: Für Baustelle und Außenbereich ist S3 die übliche Basis, für trockene Hallen kommen auch S1 und S1P infrage.
  • Einlagen: Veränderte Einlagen können leitfähige, ableitfähige oder antistatische Eigenschaften beeinträchtigen. Nur geprüfte oder vom Hersteller freigegebene Einlagen verwenden.
  • Altbestände: SRC-Schuhe sind nicht ungültig, oft aber schon länger im Einsatz. Wann ein Austausch fällig ist, erklärt der Ratgeber Wann Sicherheitsschuhe ersetzt werden sollten.
  • Sonderfälle: Schweißerschuhe (DIN EN ISO 20349-2, Kennzeichnung „WG“, DGUV 112-191, 4.28) und elektrisch isolierende Schuhe (DIN EN 50321-1) haben eigene Normen.

Einen Überblick über Arbeits- und Sicherheitsschuhe findest du im Shop. Verbindlich ist die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb bzw. die zuständige Berufsgenossenschaft.

Häufige Fragen zu Sicherheitsschuh-Kürzeln

Was bedeutet SRC bei Sicherheitsschuhen?

SRC stammt aus der Normfassung von 2012: Der Schuh hat die Rutschprüfung auf Keramik mit Natriumlaurylsulfat-Lösung (SRA) und auf Stahl mit Glycerin (SRB) bestanden. Nach EN ISO 20345:2022 wird SRC nicht mehr vergeben, Schuhe nach der alten Fassung tragen es weiterhin.

Was bedeutet HRO?

HRO steht für die Hitzebeständigkeit der Laufsohle bei Kontaktwärme. Geprüft wird bei 300 °C und 60 Sekunden Kontaktzeit, die Sohle darf nicht schmelzen, verbrennen, brechen oder reißen.

Was bedeutet ESD bei Schuhen?

ESD-Schuhe leiten elektrostatische Ladung ab, der Widerstand im System Person, Schuh und Boden liegt laut DGUV bei höchstens 108 Ω. Sie schützen Elektronik, sind aber keine Schutzfunktion für die Person.

Was ist der Unterschied zwischen antistatisch und ESD?

Antistatische Schuhe (Symbol A) liegen zwischen über 105 und 109 Ω und vermindern die Aufladung des Trägers. ESD-Schuhe werden nach IEC 61340 geprüft und haben eine niedrigere Obergrenze. Antistatisch heißt nicht automatisch ESD-geeignet.

Was bedeutet S3 SRC ESD?

Ein S3-Schuh nach der Normfassung von 2012 mit der Rutschhemmung SRC, der zusätzlich als ESD-Schuh nach der Normenreihe IEC 61340 geprüft ist.

Sind ESD-Schuhe für Elektriker geeignet?

Laut DGUV schützen antistatische Schuhe nicht hinreichend gegen eine elektrische Körperdurchströmung, und ESD dient dem Bauteilschutz. Für Arbeiten unter Spannung sind isolierende Schuhe nach DIN EN 50321-1 vorgesehen, zusammen mit weiterer isolierender Schutzausrüstung. Maßgeblich ist die Gefährdungsbeurteilung.

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Quellen