Bundhose oder Latzhose? Der Vergleich für Betriebe
Kurz gesagt: Bundhose oder Latzhose ist vor allem eine Frage der Tätigkeit. Die Latzhose deckt Rücken und Nierenbereich auch beim Bücken ab und bietet zusätzlichen Stauraum am Latz, ist aber wärmer und beim An- und Ausziehen umständlicher. Die Bundhose ist schneller an- und ausgezogen, luftiger und lässt sich frei mit Oberteilen kombinieren. Wer viel kniet, achtet bei beiden Modellen auf Kniepolstertaschen und passende Polster.
Wenn du ein Team neu einkleidest, stellt sich früher oder später die Frage: Bundhose oder Latzhose? Beide Hosenformen haben ihren festen Platz in Handwerk, Werkstatt und Lager. Welche besser passt, hängt weniger vom Geschmack ab als davon, wie gearbeitet wird: viel im Knien oder Bücken, viel im Stehen und Gehen, drinnen oder draußen, im Sommer oder im Winter. Dieser Vergleich hilft dir, die Entscheidung für deinen Betrieb sachlich zu treffen.
Bundhose und Latzhose: der Unterschied auf einen Blick
Die Bundhose endet an der Taille und wird mit Gürtel oder Bundweite gehalten. Sie ist die klassische Arbeitshose für Tätigkeiten mit viel Bewegung im Stehen und Gehen. Die Latzhose hat zusätzlich einen Brustlatz und Träger über den Schultern. Dadurch sitzt sie auch dann sicher, wenn sich der Träger bückt, kniet oder über Kopf arbeitet, und schützt den Oberkörper teilweise vor Schmutz.
Der Unterschied zwischen Bundhose und Latzhose liegt also vor allem in drei Punkten: Abdeckung des Rückens, Stauraum am Oberkörper und Handhabung im Alltag. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kriterien zusammen.
| Kriterium | Bundhose | Latzhose |
|---|---|---|
| Rückenschutz / Nierenbereich | Beim Bücken und Knien kann der untere Rücken freiliegen, wenn das Oberteil hochrutscht. | Rückenteil und Latz decken den Nierenbereich auch beim Bücken ab, Zugluft und Schmutz bleiben eher draußen. |
| Werkzeug- und Zollstocktaschen | Taschen an Hüfte und Beinen, je nach Modell mit Zollstocktasche und Werkzeugschlaufen. | Zusätzlich Brusttasche(n) am Latz, z. B. für Stift, Notizblock oder Handy; Beintaschen wie bei der Bundhose. |
| Bewegungsfreiheit | Frei im Oberkörper, kein Zug über die Schultern. | Sitzt sicher bei Bück- und Kniearbeit; die Träger müssen gut eingestellt sein, damit nichts zieht. |
| Klima / Sommer | Luftiger, weil der Oberkörper nur vom Shirt bedeckt ist. | Wärmer durch die zusätzliche Stofflage an Brust und Rücken; im Winter ein Vorteil. |
| An-/Ausziehen, Toilettengang | Schnell und unkompliziert. | Träger müssen gelöst werden, das kostet im Alltag etwas Zeit. |
| Kniepolstertaschen | Bei vielen Modellen vorhanden. | Bei vielen Modellen vorhanden. |
Kniepolstertaschen sind also kein Unterscheidungsmerkmal der Hosenform, sondern des einzelnen Modells. Mehr dazu weiter unten.
Latzhose: Vorteile und Grenzen
Die Vorteile der Latzhose zeigen sich vor allem bei Arbeiten, die nah am Boden oder in gebückter Haltung stattfinden. Der Latz und das hochgezogene Rückenteil halten den unteren Rücken bedeckt, egal wie weit sich der Träger nach vorn beugt. Gerade bei kühlem Wetter oder auf zugigen Baustellen empfinden viele das als angenehm.
Ein weiterer Pluspunkt ist der Stauraum: Die Brusttasche liegt im direkten Zugriff, auch wenn man kniet und die Beintaschen schlecht erreichbar sind. Zudem hält die Latzhose über die Träger, ein Gürtel ist nicht nötig, und der Bund rutscht bei voll beladenen Taschen nicht nach unten.
Die Grenzen: Im Sommer wird es unter dem Latz warm, und beim Toilettengang oder beim schnellen Wechsel zwischen Baustelle und Fahrzeug ist die Latzhose umständlicher. Außerdem müssen die Träger auf die Körpergröße eingestellt werden, sonst zieht der Schritt oder der Latz hängt.
Bundhose: Vorteile und Grenzen
Die Vorteile der Bundhose liegen in der einfachen Handhabung. Sie ist schnell an- und ausgezogen, lässt sich mit jedem Oberteil kombinieren und ist im Sommer die luftigere Wahl. Für Tätigkeiten mit viel Gehen, Stehen, Fahren oder Kundenkontakt wirkt sie zudem oft aufgeräumter.
Ihre Grenze zeigt sich bei Arbeiten mit viel Bücken und Knien: Rutscht das Oberteil hoch, liegt der untere Rücken frei. Ein längeres Shirt oder eine Jacke mit verlängertem Rückenteil kann das ausgleichen. Auch das Gewicht von Werkzeug in den Taschen trägt bei der Bundhose allein der Bund, ein gut sitzender Gürtel ist dann sinnvoll.
Bundhose oder Latzhose im Handwerk: Orientierung nach Gewerk
Ob Latzhose oder Bundhose im Handwerk besser passt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die folgende Übersicht ist eine Orientierung aus der typischen Arbeitsweise, keine Vorschrift. Welche Kleidung und welche Schutzausrüstung im Einzelfall nötig ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung im Betrieb; verbindlich ist die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb bzw. die zuständige Berufsgenossenschaft.
- Maler und Lackierer: Häufig Latzhose, weil der Latz den Oberkörper vor Farbspritzern schützt und viel in Bück- und Kniehaltung gearbeitet wird. Für Innenarbeiten im Sommer greifen manche Teams zur Bundhose.
- Fliesenleger: Viel Arbeit im Knien, daher oft Latzhose mit Kniepolstertaschen. Entscheidend ist hier weniger die Hosenform als ein geeigneter Knieschutz.
- Elektriker: Wechsel zwischen Stehen, Leiter, Knien und Kundenkontakt. Bundhose und Latzhose sind beide verbreitet; viele schätzen die Bundhose für die schnelle Handhabung, andere die Latzhose für den zusätzlichen Stauraum.
- Logistik und Lager: Viel Gehen, Heben und Fahren, oft wechselnde Temperaturen. Meist Bundhose, weil sie unkompliziert ist und sich mit Shirt, Sweatshirt oder Jacke kombinieren lässt.
- Werkstatt (z. B. KFZ, Metall): Bei Arbeiten unter Fahrzeugen oder an Maschinen in gebückter Haltung ist die Latzhose wegen der Rückenabdeckung beliebt; an der Werkbank und im Kundenkontakt eher die Bundhose.
In der Praxis statten viele Betriebe ihr Team mit beidem aus und lassen die Mitarbeitenden je nach Einsatz wählen. Das erhöht die Akzeptanz, weil sich die Kleidung an die Tätigkeit anpasst und nicht umgekehrt.
Kniepolstertaschen: worauf es bei beiden Hosen ankommt
Wer regelmäßig kniet, sollte unabhängig von der Hosenform an Knieschutz denken. Die Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung nennt unter anderem Meniskusschäden durch langjährige, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastende Tätigkeiten (BK 2102), chronische Erkrankungen der Schleimbeutel durch ständigen Druck (BK 2105) und Gonarthrose durch Tätigkeiten im Knien oder vergleichbare Kniebelastung (BK 2112). Ein Fachbeitrag des Sachgebiets Fußschutz der DGUV empfiehlt deshalb, Knien organisatorisch möglichst zu vermeiden und sonst geeigneten Knieschutz einzusetzen.
Die Norm dafür ist die DIN EN 14404 „Persönliche Schutzausrüstung – Knieschutz für Arbeiten in kniender Haltung“. Laut DGUV ist sie seit 2024 eine Normenreihe in sechs Teilen und ersetzt die frühere Fassung DIN EN 14404:2004+A1:2010. Kniepolster in Kombination mit Bekleidung, also typischerweise Polster in den Kniepolstertaschen der Hose, heißen dort Typ 2. Für Betriebe sind drei Punkte aus dem DGUV-Fachbeitrag wichtig:
- Hose und Polster gehören zusammen: Bei der „individuellen Kombination“ nach DIN EN 14404-3 werden Hose und Polster als Kombination betrachtet. Laut DGUV ist ein Austausch (z. B. nach Verschleiß) bei einer solchen festen Kombination nur durch dasselbe Produkt mit derselben Artikelnummer zulässig; ein beliebiges anderes Polster in derselben Tasche reicht nicht.
- Interoperable Polster: Neu ist DIN EN 14404-4. Hosen und Polster, die beide diesem Teil entsprechen, dürfen laut DGUV frei kombiniert werden, auch herstellerübergreifend; die technischen Schutzfunktionen (Leistungsstufe, Durchstich, Druckverteilung) gewährleistet dann allein das Polster.
- Leistungsstufen: Die Normenreihe unterscheidet laut DGUV die Stufen 0, 1, 1U und 2, u. a. nach Schutz gegen Durchstich und Druckverteilung auf ebenen oder unebenen Böden.
Außerdem weist die DGUV darauf hin, dass die Polstertasche so angeordnet sein muss, dass das Knie in kniender Haltung in der Schutzzone liegt. Die Norm enthält dazu einen informativen Anhang als Hilfestellung; geprüft wird die Taschenlage laut DGUV nicht. Da sich die Schutzzone nun an den Maßen der Kniescheibe orientiert, kann laut DGUV eine Anprobe erforderlich sein. Eine passende Größe und Beinlänge ist deshalb nicht nur eine Komfortfrage. Prüfe beim Einkauf die Kennzeichnung an Hose bzw. Polster und die Herstellerinformation, ob und in welcher Kombination ein Knieschutz nach DIN EN 14404 erfüllt wird.
Kurz zu Bermudas und Shorts
Im Sommer fragen viele Teams nach kurzen Arbeitshosen. Bermudas und Shorts sind bei Innenarbeiten oder leichten Tätigkeiten eine Option. Für Arbeiten im Freien empfiehlt die DGUV beim Schutz vor UV-Strahlung jedoch Kleidung, die den Körper komplett bedeckt. Und bei Kniearbeit fehlt bei kurzen Hosen in der Regel die Kniepolstertasche. Ob Shorts für eine Tätigkeit infrage kommen, klärt daher die Gefährdungsbeurteilung.
Worauf Betriebe beim Einkauf achten
- Tätigkeit zuerst: Sammle, wie viel im Knien, Bücken, Stehen und Fahren gearbeitet wird und ob überwiegend drinnen oder draußen. Daraus ergibt sich, ob Bundhosen, Latzhosen oder beides sinnvoll sind.
- Knieschutz als System denken: Wenn Kniearbeit anfällt, Hose und Kniepolster gemeinsam auswählen und die Kennzeichnung nach DIN EN 14404 prüfen.
- Taschen nach Werkzeug planen: Zollstocktasche, Werkzeugschlaufen, Handy- und Stifttaschen sollten zu dem passen, was das Team tatsächlich dabei hat.
- Größen und Beinlängen abdecken: Gerade bei Latzhosen und Kniepolstertaschen entscheidet die Passform über Komfort und Schutzwirkung. Plane Anproben ein.
- Einheitliches Bild: Wenn Bund- und Latzhosen gemischt im Team getragen werden, auf passende Farben und Oberteile achten. Branchenlösungen findest du im Bereich Handwerk.
Häufige Fragen zu Bundhose oder Latzhose
Was ist der Unterschied zwischen Bundhose und Latzhose?
Die Bundhose endet an der Taille, die Latzhose hat zusätzlich einen Brustlatz und Träger. Dadurch deckt die Latzhose Rücken und Bauch auch beim Bücken ab und bietet eine Brusttasche, ist aber wärmer und beim An- und Ausziehen aufwendiger.
Ist eine Latzhose besser für den Rücken?
Die Latzhose hält den unteren Rücken bei Bück- und Kniearbeit bedeckt und schützt ihn so vor Kälte, Zugluft und Schmutz. Sie ersetzt aber keine ergonomische Arbeitsweise oder Hebehilfen.
Welche Arbeitshose ist im Sommer angenehmer?
In der Regel die Bundhose, weil der Oberkörper nur vom Shirt bedeckt ist. Bei Arbeiten im Freien empfiehlt die DGUV trotzdem körperbedeckende Kleidung zum Schutz vor UV-Strahlung.
Kann ich beliebige Kniepolster in meine Arbeitshose stecken?
Nicht ohne Weiteres. Bei Knieschutz nach DIN EN 14404-3 bilden Hose und Polster eine individuelle Kombination; laut DGUV ist ein Austausch dann nur durch dasselbe Produkt zulässig. Freie Kombination ist nur vorgesehen, wenn Hose und Polster beide DIN EN 14404-4 entsprechen.
Sollte ein Betrieb Bund- und Latzhosen gemischt anbieten?
Das ist oft sinnvoll, wenn im Team unterschiedliche Tätigkeiten anfallen. So kann jeder die Hose wählen, die zum Einsatz passt, und das Erscheinungsbild bleibt mit abgestimmten Farben trotzdem einheitlich.
Du willst dein Team mit Bund- oder Latzhosen ausstatten und bist unsicher, was passt? Sprich mit den Buddys.
Mehr aus dem Ratgeber
Quellen
- DGUV, Fachbereich PSA, Sachgebiet Fußschutz: „Die neue DIN EN 14404 – Persönliche Schutzausrüstung – Knieschutz für Arbeiten in kniender Haltung“, sicher ist sicher 12/2024: dguv.de/medien/fb-psa/de/sis-artikel/sis-2024-12.pdf
- DGUV, Sachgebiet Fußschutz: „Knieschutz für Arbeiten in kniender Haltung“, sicher ist sicher 10/2005 (bezieht sich auf die frühere Normfassung): presse.dguv.de/medien/fb-psa/de/sachgebiet/sg_fuss/fuer_praxis__knieschutz.pdf
- Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), Anlage 1, Nr. 2102, 2105, 2112: gesetze-im-internet.de/bkv/anlage_1.html
- DIN Media: DIN EN 14404-3:2024-10 (individuelle Kombination von Kniepolstern und Kleidungsstücken, Typ 2): dinmedia.de/en/standard/din-en-14404-3/343637427
- DIN Media: DIN EN 14404-4:2024 (Kombination von interoperablen Kniepolstern und Kleidungsstücken, Typ 2): dinmedia.de/en/standard/din-en-14404-4/343637360
- DGUV: UV-Strahlung (Prävention, Klimawandel): dguv.de/de/praevention/klimawandel/uv-strahlung/index.jsp